



In der Befragung sagen Kunden Ja, im entscheidenden Moment wählen sie etwas anderes. Woher die Lücke zwischen Sagen und Tun kommt, wo sie Entscheidungen verzerrt und wie Sie sie schließen.

Kurz gesagt
Ein Konzept schneidet in der Befragung hervorragend ab, nach dem Launch bleibt die Nachfrage hinter dem Business Case zurück. Eine Variante wird in der Umfrage klar bevorzugt, gekauft wird eine andere. Die Forschung nennt das Phänomen Say-Do-Gap: die Lücke zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tun.
Beschrieben wurde die Lücke zuerst beim Umweltverhalten, als Abstand zwischen Einstellung und Handlung (Blake, 1999). Sie zeigt sich aber überall dort, wo Menschen über eine künftige Entscheidung Auskunft geben: bei Preisen, Produkten, Tarifen und Botschaften. Für Unternehmen ist sie deshalb kein akademisches Detail, sondern ein Risiko für jede Entscheidung, die auf Antworten statt auf Verhalten beruht.

Wer in einer Befragung Ja sagt, gibt kein Geld aus. Entsprechend großzügig fallen Antworten aus: Eine Meta-Analyse über mehr als 100 Studien zeigt, dass Befragte im Schnitt eine rund 20 % höhere Zahlungsbereitschaft nennen, als sie tatsächlich zahlen (Schmidt und Bijmolt, 2020).
Nachhaltig, gesund, verantwortungsvoll: Menschen antworten gern so, wie sie gesehen werden möchten. Im Kaufmoment zählen dann Preis, Bequemlichkeit und Gewohnheit.
Absicht ist nicht Verhalten. Nach der Theory of Planned Behavior prägen Einstellung, soziale Norm und wahrgenommene Kontrolle unsere Absichten (Ajzen, 1991). Ob aus der Absicht eine Handlung wird, entscheidet sich erst in der konkreten Situation.
Ein klassisches Beispiel: Im Interview zeigt sich eine Testperson begeistert von einem neuen Frucht-Smoothie. Danach darf sie sich in der Kantine frei bedienen und nimmt den Schweinebraten. In der Befragung fehlen Preis, Alternativen und Aufwand, also genau das, was die Entscheidung am Ende bestimmt.
Der Weg ist, das Verhalten dort zu messen, wo es entsteht: an einem realistischen Angebot, das Menschen in ihrem gewohnten Online-Umfeld sehen und für oder gegen das sie sich entscheiden. Vergleichbare Gruppen sehen jeweils eine Variante; gemessen wird die Kauf- oder Abschlussentscheidung. So wird aus „würde ich kaufen“ eine beobachtete Entscheidungsrate je Variante.
Das ersetzt Befragungen nicht. Sie bleiben das beste Werkzeug, um Motive zu verstehen, Hypothesen zu entwickeln und Zielgruppen zu beschreiben. Gemessenes Verhalten ergänzt sie dort, wo es um die finale Entscheidung geht.
Befragungen erklären, warum. Verhalten zeigt, was gekauft wird.
Nein. Befragungen zeigen Motive und liefern Hypothesen. Für die Entscheidung zwischen konkreten Varianten ergänzen Sie sie um gemessenes Verhalten.
Das hängt von Kategorie, Preis und Situation ab. Deshalb messen wir sie nicht pauschal, sondern für Ihre konkrete Entscheidung.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten