Horizon
Startseite
/
Insights
/
Befragung und Verhalten

Warum Kunden anders kaufen, als sie in Befragungen antworten.

In der Befragung sagen Kunden Ja, im entscheidenden Moment wählen sie etwas anderes. Woher die Lücke zwischen Sagen und Tun kommt, wo sie Entscheidungen verzerrt und wie Sie sie schließen.

Daniel Putsche

Daniel Putsche

Gründer & CEO
·
September 26, 2026
·
7
Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Gesagte Kaufabsicht liegt in vielen Kategorien über dem tatsächlichen Kauf, und die Reihenfolge von Varianten kann kippen.
  • Die wichtigsten Gründe: Die Antwort hat keine Konsequenz, sozial erwünschte Antworten, Optimismus über das eigene Verhalten, die fehlende Kaufsituation.
  • Befragungen erklären das Warum. Für die finale Entscheidung braucht es gemessenes Verhalten.

Ein Konzept schneidet in der Befragung hervorragend ab, nach dem Launch bleibt die Nachfrage hinter dem Business Case zurück. Eine Variante wird in der Umfrage klar bevorzugt, gekauft wird eine andere. Die Forschung nennt das Phänomen Say-Do-Gap: die Lücke zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tun.

Was mit der Lücke gemeint ist

Beschrieben wurde die Lücke zuerst beim Umweltverhalten, als Abstand zwischen Einstellung und Handlung (Blake, 1999). Sie zeigt sich aber überall dort, wo Menschen über eine künftige Entscheidung Auskunft geben: bei Preisen, Produkten, Tarifen und Botschaften. Für Unternehmen ist sie deshalb kein akademisches Detail, sondern ein Risiko für jede Entscheidung, die auf Antworten statt auf Verhalten beruht.

In der Befragung bevorzugt gegenüber gemessener Kaufabsicht, Beispielwerte: Variante A 42 % bevorzugt, 2,1 % gekauft; Variante B 35 % bevorzugt, 3,4 % gekauft; Variante C 23 % bevorzugt, 2,6 % gekauft
Illustration mit Beispielwerten.

Vier Gründe für die Lücke

1. Die Antwort hat keine Konsequenz

Wer in einer Befragung Ja sagt, gibt kein Geld aus. Entsprechend großzügig fallen Antworten aus: Eine Meta-Analyse über mehr als 100 Studien zeigt, dass Befragte im Schnitt eine rund 20 % höhere Zahlungsbereitschaft nennen, als sie tatsächlich zahlen (Schmidt und Bijmolt, 2020).

2. Sozial erwünschte Antworten

Nachhaltig, gesund, verantwortungsvoll: Menschen antworten gern so, wie sie gesehen werden möchten. Im Kaufmoment zählen dann Preis, Bequemlichkeit und Gewohnheit.

3. Optimismus über das eigene Verhalten

Absicht ist nicht Verhalten. Nach der Theory of Planned Behavior prägen Einstellung, soziale Norm und wahrgenommene Kontrolle unsere Absichten (Ajzen, 1991). Ob aus der Absicht eine Handlung wird, entscheidet sich erst in der konkreten Situation.

4. Die Kaufsituation fehlt

Ein klassisches Beispiel: Im Interview zeigt sich eine Testperson begeistert von einem neuen Frucht-Smoothie. Danach darf sie sich in der Kantine frei bedienen und nimmt den Schweinebraten. In der Befragung fehlen Preis, Alternativen und Aufwand, also genau das, was die Entscheidung am Ende bestimmt.

Wo die Lücke teuer wird

  • Preis: Die gesagte Zahlungsbereitschaft führt zu einem Preis, der zu hoch oder zu niedrig liegt.
  • Konzept: Überschätzte Nachfrage bindet Entwicklung, IT und Marketingbudget.
  • Botschaft: Ein Claim gefällt in der Befragung, führt aber nicht zum Kauf.
  • Tarif und Angebot: Das bevorzugte Modell ist nicht das, das Kunden abschließen.

Wie Sie die Lücke schließen

Der Weg ist, das Verhalten dort zu messen, wo es entsteht: an einem realistischen Angebot, das Menschen in ihrem gewohnten Online-Umfeld sehen und für oder gegen das sie sich entscheiden. Vergleichbare Gruppen sehen jeweils eine Variante; gemessen wird die Kauf- oder Abschlussentscheidung. So wird aus „würde ich kaufen“ eine beobachtete Entscheidungsrate je Variante.

Das ersetzt Befragungen nicht. Sie bleiben das beste Werkzeug, um Motive zu verstehen, Hypothesen zu entwickeln und Zielgruppen zu beschreiben. Gemessenes Verhalten ergänzt sie dort, wo es um die finale Entscheidung geht.

Befragungen erklären, warum. Verhalten zeigt, was gekauft wird.

Häufige Fragen

Heißt das, Befragungen sind wertlos?

Nein. Befragungen zeigen Motive und liefern Hypothesen. Für die Entscheidung zwischen konkreten Varianten ergänzen Sie sie um gemessenes Verhalten.

Wie groß ist die Lücke in meiner Kategorie?

Das hängt von Kategorie, Preis und Situation ab. Deshalb messen wir sie nicht pauschal, sondern für Ihre konkrete Entscheidung.

Daniel Putsche

Über den Autor

Daniel Putsche

Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.

Verwandte Artikel

8-biases-you-need-to-keep-in-mind-when-conducting-consumer-research,pricing-is-the-key-to-leverage-operating-profits,why-a-fake-door-test-with-a-landing-page-is-way-more-than-a-landing-page

Welche Entscheidung wollen Sie absichern?

Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.

Daniel Putsche

Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten

Danke, Ihre Anfrage ist da.

Wir melden uns innerhalb eines Werktags mit Terminvorschlägen.

Schließen

Demo · Video

Ein kompletter Test, vom Design bis zur Datenanalyse

Demo abspielen

Kapitel: Testdesign · Angebotsseiten · Live-Daten · Ergebnis

Gespräch vereinbaren

Erstes Gespräch

Gespräch vereinbaren

30 Minuten, Ihre Entscheidungsfrage, ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.

Mit dem Absenden stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Angaben zur Terminvereinbarung zu. Details in der Datenschutzerklärung.

Termin anfragen
Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.
BEISPIELBERICHTBeispielwerte

Beispielbericht Versicherungen

Datenanalyse · Testdesign · Kennzahlen · Methodik

Beispielbericht

Beispielbericht Versicherungen

Ein vollständiger Ergebnisbericht mit Beispielwerten: Fragestellung, Testdesign, Abschlussabsicht je Variante und die Datenanalyse.

12 Seiten, als PDF zum internen Weitergeben
Kostenlos, Download direkt nach kurzem Formular
Hinweis