



Van Westendorp, Gabor-Granger, Conjoint oder Verhaltenstest: Jede Methode beantwortet eine andere Preisfrage. Ein Überblick, was welche Methode leistet und wann Sie gemessenes Kaufverhalten brauchen.

Kurz gesagt
Eine Preiserhöhung im Bestand, der Einstiegspreis eines neuen Tarifs, der Aufpreis für eine Premiumvariante: Jede dieser Entscheidungen braucht eine andere Art von Evidenz. Wer die Methode passend zur Frage wählt, spart Zeit und vermeidet Scheingenauigkeit.
Der Price Sensitivity Meter fragt vier Preisschwellen ab: ab wann ein Produkt zu billig wirkt, wann günstig, wann teuer und wann zu teuer. Aus den Antworten entsteht eine Spanne akzeptabler Preise. Die Methode ist schnell und günstig und eignet sich gut für frühe Phasen. Sie zeigt aber keine Nachfrage je Preis, und die Befragten sehen weder Alternativen noch eine echte Kaufsituation.
Befragte sehen nacheinander verschiedene Preise und geben jeweils an, ob sie kaufen würden. Daraus lässt sich eine Preis-Absatz-Kurve schätzen. Der Nachteil: Wer mehrere Preise hintereinander sieht, antwortet strategisch, und die Kaufbereitschaft bleibt eine Angabe ohne Konsequenz.
Conjoint-Analysen lassen Befragte zwischen Produktprofilen wählen, die sich in mehreren Merkmalen unterscheiden, darunter der Preis. So lässt sich schätzen, wie viel einzelne Merkmale wert sind. Conjoint ist stark, wenn viele Merkmale gleichzeitig gewichtet werden sollen. Die Wahl bleibt hypothetisch, und die Ergebnisse hängen stark von Design und Merkmalsauswahl ab.
MaxDiff ist keine Preismethode, wird aber oft im selben Atemzug genannt. Befragte wählen aus Listen jeweils das wichtigste und unwichtigste Merkmal. Das ergibt eine saubere Rangfolge von Nutzen und Argumenten, etwa für die Paketierung. Eine Zahlungsbereitschaft liefert MaxDiff nicht.
Vergleichbare Gruppen aus Ihrer Zielgruppe sehen dasselbe Angebot in einer realistischen Anzeige und auf einer realistischen Angebotsseite, jede Gruppe zu einem anderen Preis. Gemessen wird die Kauf- oder Abschlussentscheidung. Es wird nichts verkauft und keine Zahlung angenommen; wer sich entscheidet, erfährt direkt danach, dass das Angebot noch nicht verfügbar ist. So entsteht eine Preis-Absatz-Kurve aus Verhalten statt aus Angaben.
Kostenbasierte Kalkulation bleibt dabei die Untergrenze: Sie zeigt, welcher Preis sich rechnet, aber nicht, welchen Preis Kunden akzeptieren. Deshalb fragen wir vor jedem Preistest nach Ihrer Mindestmarge, damit keine Variante getestet wird, die Sie ohnehin nicht umsetzen könnten.
Ein Preistest vergleicht wenige konkrete Preise und zeigt, was Menschen tun, nicht warum. Wie Wettbewerber reagieren oder wie Bestandskunden auf eine Erhöhung reagieren, betrachten Sie gesondert. Befragungen und Verhaltensmessung sind deshalb keine Gegensätze: Die eine erklärt, die andere entscheidet.
Bis zu sechs. Wie viele sinnvoll sind, hängt davon ab, wie fein die Preis-Absatz-Kurve werden soll und wie groß die Zielgruppe ist.
Nein. Conjoint gewichtet viele Merkmale gleichzeitig. Ein Preistest sichert die Entscheidung zwischen wenigen konkreten Preisen ab. Oft ergänzen sich beide.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten