



Soziale Erwünschtheit, Framing, hypothetische Zahlungsbereitschaft: Welche Verzerrungen Antworten verändern, woran Sie sie erkennen und was das für Preis- und Konzeptentscheidungen bedeutet.

Kurz gesagt
Befragungen sind unverzichtbar, um Motive, Hürden und Sprache einer Zielgruppe zu verstehen. Als Grundlage für eine konkrete Entscheidung haben sie eine Schwäche: Sie messen, was Menschen über ihr künftiges Verhalten sagen. Acht Verzerrungen sind für Preis-, Produkt- und Tarifentscheidungen besonders relevant.
Wer in einer Befragung einen Preis akzeptiert, gibt kein Geld aus. Eine Meta-Analyse über mehr als 100 Studien zeigt, dass Befragte im Schnitt eine rund 20 % höhere Zahlungsbereitschaft nennen, als sie tatsächlich zahlen (Schmidt und Bijmolt, 2020). Für einen Tarif oder einen Aufpreis bedeutet das: Die gesagte Zahl ist ein Ausgangspunkt, keine Entscheidungsgrundlage.
Menschen antworten so, wie es gut ankommt: nachhaltiger, gesünder, vorsorgender (Krumpal, 2013). Bei einer Zusatzversicherung, einem Ökostromtarif oder einem Premiumprodukt überschätzen Befragungen deshalb oft die Nachfrage.
Viele Befragte stimmen Aussagen eher zu als nicht, unabhängig vom Inhalt (Krosnick, 1999). Fragen wie „Würden Sie dieses Angebot nutzen?“ erzeugen deshalb mehr Ja als eine neutrale Formulierung oder eine echte Wahl zwischen Alternativen.
Dieselbe Information wirkt unterschiedlich, je nachdem, wie sie formuliert ist (Tversky und Kahneman, 1981). „10 € Rabatt“ und „10 € Aufpreis ohne Aktion“ sind rechnerisch gleich, werden aber verschieden bewertet. In einer Befragung bestimmt oft die Formulierung, nicht das Angebot, das Ergebnis.
Eine zuvor genannte Zahl beeinflusst die folgende Schätzung (Tversky und Kahneman, 1974). Wer zuerst einen hohen Preis sieht, nennt danach eine höhere Zahlungsbereitschaft. In Preisbefragungen mit mehreren Preispunkten ist das kaum zu vermeiden.
Die Position einer Antwortoption beeinflusst, wie oft sie gewählt wird (Krosnick und Alwin, 1987). Bei Konzeptvergleichen profitiert oft die zuerst oder zuletzt gezeigte Variante. Rotation hilft, beseitigt den Effekt aber nicht.
In einer Befragung bekommt ein Angebot die volle Aufmerksamkeit. Im Markt konkurriert es mit Alternativen, Ablenkung und begrenzter Zeit. Was in der Befragung überzeugt, geht im echten Umfeld oft unter.
Schon die Frage nach einer Absicht kann das spätere Verhalten verändern (Sherman, 1980; Morwitz, Johnson und Schmittlein, 1993). Wer gefragt wird, ob er ein Produkt kaufen wird, beschäftigt sich damit anders als jemand, der es im Alltag sieht.

Ein Test mit echtem Kaufverhalten umgeht mehrere dieser Verzerrungen, weil niemand gefragt wird: Menschen sehen ein realistisches Angebot und entscheiden. Jede Gruppe sieht genau eine Variante, damit entfallen Anker- und Reihenfolgeeffekte zwischen Varianten. Verhaltensmessung ersetzt aber keine Motivforschung. Warum sich Menschen so entscheiden, erschließen Sie weiterhin mit Interviews und Befragungen.
Verringern ja, vermeiden nein. Rotation, neutrale Formulierungen und indirekte Fragen helfen. Die fehlende Konsequenz der Antwort bleibt.
Nein. Sie sind stark für Exploration, Motive und Hypothesen. Für die finale Entscheidung zwischen konkreten Varianten ergänzen Sie sie um gemessenes Verhalten.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten