



Pretotyping prüft, ob ein Angebot Nachfrage hat, bevor es gebaut oder eingeführt ist. Dieser Guide erklärt die Methode, die wichtigsten Varianten, den Ablauf eines Tests und die Fehler, die Ergebnisse unbrauchbar machen.

Kurz gesagt
Kurz gesagt: Pretotyping misst, ob Menschen ein Angebot kaufen oder abschließen würden, bevor es im Markt ist. Gemessen wird Verhalten, nicht die Antwort auf eine Frage. Gartner hat Pretotyping 2024 in den Hype Cycle for Innovation Practices aufgenommen.
Beim Pretotyping wird ein Angebot so realistisch dargestellt, dass Menschen sich wie im Alltag dafür oder dagegen entscheiden können, obwohl es noch nicht existiert. Das kann ein neues Produkt sein, ein neuer Preis, ein Tarif, ein Nutzenversprechen oder eine Produktvariante.
Der Begriff geht auf Alberto Savoia zurück, der ihn bei Google geprägt und später in seinem Buch „The Right It“ beschrieben hat. Die Idee dahinter: Bevor man etwas richtig baut, sollte man sicher sein, dass man das Richtige baut.
Der entscheidende Unterschied zu Befragungen liegt in der Messgröße. Eine Befragung zeigt, was Menschen sagen. Ein Pretotyp zeigt, was sie tun, wenn sie vor einer echten Kaufentscheidung stehen. Zwischen beidem liegt oft eine große Lücke, der Say-Do-Gap.
Ein Prototyp beantwortet die Frage, ob sich etwas bauen lässt und wie es funktioniert. Ein Pretotyp beantwortet die Frage, ob es jemand will. Die zweite Frage sollte zuerst beantwortet werden, denn sie ist günstiger zu klären und entscheidet darüber, ob sich der Aufwand für einen Prototyp überhaupt lohnt.

Pretotyping ist ein Oberbegriff. Welche Variante passt, hängt davon ab, was abgesichert werden soll.
Ein Angebot, das es noch nicht gibt, wird als vollständige, realistische Angebotsseite gezeigt, mit Produkt, Preis und Kaufweg. Wer kaufen oder abschließen will, erfährt danach transparent, dass das Angebot noch nicht verfügbar ist. Gemessen wird, wie viele Menschen sich je Variante tatsächlich für den Kauf entscheiden. Diese Variante eignet sich besonders für den Vergleich mehrerer Varianten, etwa von Preisen, Tarifen oder Nutzenversprechen.
Ein einzelner Einstiegspunkt, zum Beispiel ein Button oder Menüpunkt in einem bestehenden Produkt oder Shop, führt zu einer Funktion, die es noch nicht gibt. Gemessen wird, wie oft er genutzt wird. Das zeigt Interesse, sagt aber wenig über Preis oder Kaufbereitschaft.
Nachfrage wird über Anzeigen und eine einfache Landingpage geprüft, oft mit dem Ziel, E-Mail-Adressen oder Vorbestellungen zu sammeln. Smoke Tests sind schnell, messen aber eher Aufmerksamkeit als eine konkrete Kaufentscheidung.
Für Produkt-, Preis- und Marktentscheidungen ist der Painted-Door-Test meist die aussagekräftigste Variante, weil Menschen eine vollständige Kaufentscheidung treffen und sich Varianten sauber vergleichen lassen.
Ein Test folgt immer derselben Logik. Bei Horizon dauert ein neuer Test rund vier Wochen bis zum Ergebnis, ein Folgetest auf Basis eines Vortests rund eine Woche.
Ein Beispiel aus einem Kundentest: Drei Preisvarianten desselben Produkts auf sonst identischen Angebotsseiten. Die teuerste Variante, 20 % über dem Basispreis, erzielte mit 14,3 % die höchste Add-to-Cart-Rate. Beim Basispreis lag sie bei 11,6 %.

Die meisten unbrauchbaren Ergebnisse haben dieselben Ursachen:
In Unternehmen scheitert Pretotyping selten an der Methode, sondern an Abstimmung und Aufwand. Drei Punkte machen den Unterschied:
Nein. Pretotyping ist der Oberbegriff. Der Painted-Door-Test ist eine Variante davon, bei der ein vollständiges Angebot mit Preis und Kaufweg gezeigt wird.
Nein. Wer kaufen oder abschließen möchte, erfährt transparent, dass das Angebot noch nicht verfügbar ist. Gemessen wird die Entscheidung, nicht ein Umsatz.
Nein, es ergänzt sie. Befragungen und Conjoint zeigen, was Menschen sagen und abwägen. Pretotyping zeigt, welche Variante sie tatsächlich kaufen würden.
Bei Horizon rund vier Wochen von der Frage bis zum Ergebnis. Ein Folgetest auf Basis eines Vortests dauert rund eine Woche.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten