



Ein Prozent Preis kann rund elf Prozent operativen Gewinn bewegen, in beide Richtungen. Warum Sie eine Preiserhöhung an echtem Kaufverhalten prüfen sollten, bevor sie im Markt ist.

Kurz gesagt
Preisentscheidungen gehören zu den folgenreichsten Entscheidungen im Unternehmen: eine Preiserhöhung im Bestand, der Einstiegspreis eines neuen Tarifs, der Aufpreis für eine Premiumvariante. Trotzdem stützen sie sich oft auf Bauchgefühl, Wettbewerbsvergleiche oder Angaben aus Befragungen. Dabei lässt sich vorher messen, zu welchem Preis Kunden tatsächlich kaufen.
Michael Marn und Robert Rosiello haben die Kostenstruktur von 2.463 Unternehmen ausgewertet. Ihr Ergebnis: Eine Preisverbesserung um 1 % steigert den operativen Gewinn im Schnitt um 11,1 %, bei sonst gleichen Bedingungen. Dieselbe Verbesserung bei variablen Kosten, Absatzmenge oder Fixkosten wirkt deutlich schwächer.

Der Hebel wirkt auch umgekehrt: Jedes Prozent, das ein Preis zu niedrig liegt, kostet entsprechend viel Gewinn. Offen bleibt bei jeder Preisentscheidung nur eine Frage: Wie viel Nachfrage kostet der höhere Preis?
In einer Befragung fehlt die Kaufsituation selbst: der Preis neben den Alternativen, der Moment der Entscheidung und ihre Konsequenz. Ohne sie fallen Antworten großzügiger aus. Eine Meta-Analyse über mehr als 100 Studien zeigt, dass Befragte im Schnitt eine rund 20 % höhere Zahlungsbereitschaft nennen, als sie tatsächlich zahlen (Schmidt und Bijmolt, 2020). In welche Richtung Ihre eigene Zahl abweicht, wissen Sie vorher nicht.
Van Westendorp und Conjoint bleiben wertvoll: für eine erste Preisspanne und für die Gewichtung vieler Merkmale. Für die finale Entscheidung zwischen wenigen Preisen hilft eine Messung am echten Verhalten.
Vergleichbare Gruppen aus Ihrer Zielgruppe sehen dasselbe Angebot in einer realistischen Anzeige und auf einer realistischen Angebotsseite, jede Gruppe zu einem anderen Preis. Gemessen wird die Kauf- oder Abschlussentscheidung. Es wird nichts verkauft und keine Zahlung angenommen; wer sich entscheidet, erfährt direkt danach, dass das Angebot noch nicht verfügbar ist.
Ein niedriger Preis gewinnt fast immer die meisten Entscheidungen. Den besten Preis zeigt erst die Kombination aus Kaufabsicht und Preis, also der Umsatz je Preispunkt, und mit Ihren Kosten die Marge.

Im Beispiel verliert der mittlere Preis gegenüber dem niedrigsten kaum Nachfrage, bringt aber rund 8 % mehr Umsatz. Der höchste Preis kostet dagegen spürbar Nachfrage.
Virgin Pure wollte wissen, wie weit der Monatspreis für einen Wasserspender steigen kann, bevor Nachfrage verloren geht. Vier Preise, vier Angebotsseiten, 3.574 Konsumenten, sieben Tage im Feld. Bis zu einer Erhöhung von 15 % blieb die Nachfrage stabil; erst beim höchsten Preis brach sie ein. Virgin Pure hat den Preis um 15 % erhöht. Wie der Test aufgebaut war und was ein zweiter Test zum Ankerpreis gezeigt hat, lesen Sie im Case Virgin Pure.
Ein Preistest misst Kaufentscheidungen in einer realistischen Situation. Er ist keine Umsatzprognose für den Gesamtmarkt und keine Garantie. Wie Wettbewerber reagieren oder wie viele Bestandskunden bei einer Erhöhung kündigen, betrachten Sie gesondert. Als Grundlage für die Entscheidung zwischen konkreten Preisen ist er dafür deutlich belastbarer als eine gesagte Zahlungsbereitschaft.
Bis zu sechs je Test. Wie viele für Ihre Frage passen, hängt davon ab, wie fein die Preis-Absatz-Kurve werden soll.
Ja. Vergleichbare Gruppen aus Ihrer Zielgruppe sehen das Angebot jeweils zum bisherigen oder zum neuen Preis. So sehen Sie, wie viel Nachfrage die Erhöhung kostet, bevor sie im Markt ist.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten