



Virgin Pure wollte den Monatspreis für seinen Wasserspender anheben, ohne Kunden zu verlieren. Ein Test mit vier Preisen zeigte, bis wohin die Nachfrage trägt, und ein zweiter, wie viel ein Ankerpreis ausmacht.

Kurz gesagt
Virgin Pure verkauft in Großbritannien einen smarten Wasserspender im Monatsabo, direkt über die eigene Website. Steigende Kosten machten eine Preisanpassung nötig. Offen war, wie weit der Preis steigen kann, ohne dass Interessenten abspringen. Klassische Befragungen hatten dazu keine belastbare Antwort geliefert.
Die Frage war konkret: Welcher Monatspreis bringt am meisten ein, wenn man die Nachfrage mitrechnet? Ein zu vorsichtiger Schritt hätte Marge verschenkt, ein zu großer Schritt Neukunden gekostet. Weil der Preis der stärkste Gewinnhebel ist, ging es um viel: Eine Preisverbesserung um 1 % steigert den operativen Gewinn im Schnitt um 11,1 % (Marn und Rosiello, Harvard Business Review, 1992).
Ein Detail machte das Ergebnis besonders belastbar: Virgin Pure verkauft über denselben digitalen Weg, über den getestet wurde. Die Testsituation entsprach damit weitgehend der echten Kaufsituation.

Bis zu einer Erhöhung von 15 % lag die Nachfrage nicht unter der beim bisherigen Preis. Erst beim höchsten getesteten Preis brach sie deutlich ein. Damit war klar, wo die Grenze liegt, und dass der Schritt bis dorthin keine messbare Nachfrage kostet. Virgin Pure hat den Monatspreis um 15 % erhöht.
Die Erkenntnisse von Horizon haben es uns ermöglicht, eine erstaunliche Preiserhöhung von 15 % mit Zuversicht umzusetzen.
Simon Vingoe · ehem. Marketingleiter, Virgin Pure
In einem Folgetest ging es nicht mehr um den Preis selbst, sondern um seine Darstellung: Hilft ein durchgestrichener Vergleichspreis, und wenn ja, in welcher Höhe? Getestet wurden Varianten ohne Ankerpreis und mit unterschiedlich hohen Ankerpreisen. Die beste Variante erreichte eine rund 30 % höhere Kaufentscheidungsrate als die Varianten ohne oder mit zu hohem Anker. Eine kleine Änderung auf der Website mit großer Wirkung.
Was der Test nicht zeigt: wie Wettbewerber reagieren und wie sich bestehende Kunden bei einer Erhöhung verhalten. Das betrachten Sie gesondert. Für die Wahl zwischen konkreten Preisen ist gemessenes Kaufverhalten aber die deutlich bessere Grundlage als eine gesagte Zahlungsbereitschaft.
Nein. Nach der Kaufentscheidung erfuhren sie, dass das Angebot in dieser Form nicht bestellt werden kann. Es wurde keine Zahlung angenommen.
Ja. Viele Tests laufen unter einer eigens für den Test entwickelten Marke, etwa wenn die eigene Marke nicht sichtbar sein soll.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten