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Preiserhöhung ohne Nachfrageverlust? Wie Virgin Pure seinen Abopreis vor dem Rollout getestet hat.

Virgin Pure wollte den Monatspreis für seinen Wasserspender anheben, ohne Kunden zu verlieren. Ein Test mit vier Preisen zeigte, bis wohin die Nachfrage trägt, und ein zweiter, wie viel ein Ankerpreis ausmacht.

Daniel Putsche

Daniel Putsche

Gründer & CEO
·
September 26, 2026
·
5
Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die Entscheidung: Wie weit kann der monatliche Abopreis steigen, bevor Nachfrage verloren geht?
  • Der Test: vier Preise, vier sonst identische Angebotsseiten, 3.574 Konsumenten, sieben Tage im Feld, unter der Marke Virgin Pure.
  • Das Ergebnis: Bis zu einer Erhöhung von 15 % blieb die Nachfrage stabil, erst beim höchsten Preis brach sie ein. Virgin Pure hat den Preis um 15 % erhöht.

Virgin Pure verkauft in Großbritannien einen smarten Wasserspender im Monatsabo, direkt über die eigene Website. Steigende Kosten machten eine Preisanpassung nötig. Offen war, wie weit der Preis steigen kann, ohne dass Interessenten abspringen. Klassische Befragungen hatten dazu keine belastbare Antwort geliefert.

Die Entscheidung

Die Frage war konkret: Welcher Monatspreis bringt am meisten ein, wenn man die Nachfrage mitrechnet? Ein zu vorsichtiger Schritt hätte Marge verschenkt, ein zu großer Schritt Neukunden gekostet. Weil der Preis der stärkste Gewinnhebel ist, ging es um viel: Eine Preisverbesserung um 1 % steigert den operativen Gewinn im Schnitt um 11,1 % (Marn und Rosiello, Harvard Business Review, 1992).

Das Testdesign

  • Vier Varianten derselben Angebotsseite, jeweils mit einem anderen Monatspreis. Alles andere war identisch: Bild, Text, Aufbau, Leistungsumfang.
  • Vergleichbare Gruppen aus der Zielgruppe, zufällig auf die Varianten verteilt, erreicht über Anzeigen mit dem jeweiligen Preis.
  • Gemessen wurde die Kaufentscheidung auf der Angebotsseite. Direkt danach erfuhren die Besucher, dass kein Kauf zustande gekommen ist.
  • 3.574 Konsumenten, sieben Tage im Feld, unter der echten Marke Virgin Pure.

Ein Detail machte das Ergebnis besonders belastbar: Virgin Pure verkauft über denselben digitalen Weg, über den getestet wurde. Die Testsituation entsprach damit weitgehend der echten Kaufsituation.

Schematische Darstellung: Kaufentscheidungen je Preisstufe bleiben bis +15 % stabil und fallen erst beim höchsten Preis
Schematische Darstellung des Verlaufs, keine Originalwerte.

Das Ergebnis

Bis zu einer Erhöhung von 15 % lag die Nachfrage nicht unter der beim bisherigen Preis. Erst beim höchsten getesteten Preis brach sie deutlich ein. Damit war klar, wo die Grenze liegt, und dass der Schritt bis dorthin keine messbare Nachfrage kostet. Virgin Pure hat den Monatspreis um 15 % erhöht.

Die Erkenntnisse von Horizon haben es uns ermöglicht, eine erstaunliche Preiserhöhung von 15 % mit Zuversicht umzusetzen.

Simon Vingoe · ehem. Marketingleiter, Virgin Pure

Der zweite Test: Wie viel ein Ankerpreis ausmacht

In einem Folgetest ging es nicht mehr um den Preis selbst, sondern um seine Darstellung: Hilft ein durchgestrichener Vergleichspreis, und wenn ja, in welcher Höhe? Getestet wurden Varianten ohne Ankerpreis und mit unterschiedlich hohen Ankerpreisen. Die beste Variante erreichte eine rund 30 % höhere Kaufentscheidungsrate als die Varianten ohne oder mit zu hohem Anker. Eine kleine Änderung auf der Website mit großer Wirkung.

Was sich übertragen lässt

  • Eine Preiserhöhung lässt sich vor dem Rollout an echtem Verhalten prüfen, auch im Bestand und unter der eigenen Marke.
  • Mehrere Preispunkte zeigen nicht nur, ob ein Preis trägt, sondern wo die Grenze liegt.
  • Nach dem Preis lohnt der Blick auf die Darstellung: Ankerpreis, Laufzeit, Paketierung.

Was der Test nicht zeigt: wie Wettbewerber reagieren und wie sich bestehende Kunden bei einer Erhöhung verhalten. Das betrachten Sie gesondert. Für die Wahl zwischen konkreten Preisen ist gemessenes Kaufverhalten aber die deutlich bessere Grundlage als eine gesagte Zahlungsbereitschaft.

Häufige Fragen

Wurde den Besuchern etwas verkauft?

Nein. Nach der Kaufentscheidung erfuhren sie, dass das Angebot in dieser Form nicht bestellt werden kann. Es wurde keine Zahlung angenommen.

Geht das auch mit einer eigens entwickelten Marke?

Ja. Viele Tests laufen unter einer eigens für den Test entwickelten Marke, etwa wenn die eigene Marke nicht sichtbar sein soll.

Daniel Putsche

Über den Autor

Daniel Putsche

Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.

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