



Ab wann ist ein Unterschied zwischen zwei Preisen echt? Ein Rechenbeispiel von der Stichprobe bis zur Entscheidung, mit den Fragen, die Sie vor dem Start beantworten sollten.

Kurz gesagt
Ein Unternehmen will den Preis eines Produkts um 10 % erhöhen. Vorher soll ein Test zeigen, ob das Nachfrage kostet. Zwei Varianten derselben Angebotsseite, eine zum bisherigen Preis, eine zum neuen. Wie wertet man das sauber aus? Die Zahlen im Beispiel sind Beispielwerte.
Zuerst steht die Entscheidung: Wir erhöhen den Preis, wenn der neue Preis unter dem Strich mehr einbringt. Weil der neue Preis 10 % höher liegt, lohnt er sich, solange die Entscheidungsrate um weniger als rund 9 % sinkt; bei 4,4 % ist die Grenze also etwa 4,0 %. Außerdem legen wir vorher fest, ab welcher Sicherheit wir entscheiden. Für Preisentscheidungen nehmen wir eine Wahrscheinlichkeit von 95 %, weil ein falscher Preis teuer und schwer rückgängig zu machen ist.
Wie viele Besucher je Variante nötig sind, folgt aus der erwarteten Rate p und der gewünschten Genauigkeit, also der Fehlermarge. Die Formel: n = (1,96 / Fehlermarge)² × p × (1 − p). Bei einer erwarteten Rate von 4,4 % und einer Fehlermarge von ±1 Prozentpunkt ergibt das rund 1.600 Besucher je Variante. Aus der Stichprobe und den Kosten je Besucher folgen Budget und Laufzeit.

Wir vergleichen zwei Anteile, also die Rate der Entscheidungen je Variante. Der passende Test ist der z-Test für zwei Anteile (gleichwertig zum Chi-Quadrat-Test bei zwei Varianten). Der Unterschied von 0,2 Prozentpunkten ist nicht signifikant (p ≈ 0,79). Das 95-%-Konfidenzintervall für den Unterschied reicht von etwa −1,3 bis +1,7 Prozentpunkten.
Wichtig: Nicht signifikant heißt nicht „kein Unterschied“. Es heißt, dass die Daten einen Unterschied in dieser Spanne nicht ausschließen.
Die Bayes-Auswertung beantwortet die Frage, die das Management eigentlich stellt: Mit welcher Wahrscheinlichkeit bringt der neue Preis mehr ein? Dafür verrechnen wir die Unsicherheit beider Raten mit dem Preisunterschied. Im Beispiel liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis +10 % mehr Umsatz je Besucher bringt, bei rund 61 %.
61 % liegt deutlich unter der vorab festgelegten Schwelle von 95 %. Das Ergebnis ist gerichtet, nicht bestätigt: Der höhere Preis kostet keine erkennbare Nachfrage, aber ob er unter dem Strich mehr einbringt, zeigt diese Stichprobe noch nicht sicher. Die Grenze von rund 4,0 % liegt innerhalb des Intervalls der neuen Variante.
Weil Raten schwanken. Bei 1.500 Besuchern liegt die Fehlermarge einer Rate von 4,4 % bei etwa ±1 Prozentpunkt. Erst die statistische Auswertung zeigt, ob ein Unterschied größer ist als dieses Rauschen.
Dann sagen wir das offen und zeigen die Optionen: mehr Stichprobe, eine Entscheidung mit bekanntem Risiko oder ein Folgetest mit anderen Preisen.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten