Horizon
Startseite
/
Insights
/
Statistik und Auswertung

Preiserhöhung testen: Wie Sie zwei Preisvarianten statistisch sauber auswerten.

Ab wann ist ein Unterschied zwischen zwei Preisen echt? Ein Rechenbeispiel von der Stichprobe bis zur Entscheidung, mit den Fragen, die Sie vor dem Start beantworten sollten.

Daniel Putsche

Daniel Putsche

Gründer & CEO
·
September 26, 2026
·
9
Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die Stichprobe folgt aus der gewünschten Genauigkeit: Bei 4,4 % Entscheidungsrate brauchen Sie für ±1 Prozentpunkt etwa 1.600 Besucher je Variante.
  • Ausgewertet wird der Anteil der Entscheidungen je Variante, mit Signifikanztest und der Wahrscheinlichkeit, dass eine Variante die beste ist.
  • Die eigentliche Frage bei einer Preiserhöhung: Kostet der höhere Preis mehr Nachfrage, als er einbringt?

Ein Unternehmen will den Preis eines Produkts um 10 % erhöhen. Vorher soll ein Test zeigen, ob das Nachfrage kostet. Zwei Varianten derselben Angebotsseite, eine zum bisherigen Preis, eine zum neuen. Wie wertet man das sauber aus? Die Zahlen im Beispiel sind Beispielwerte.

Vor dem Start: die Entscheidung und die Regel

Zuerst steht die Entscheidung: Wir erhöhen den Preis, wenn der neue Preis unter dem Strich mehr einbringt. Weil der neue Preis 10 % höher liegt, lohnt er sich, solange die Entscheidungsrate um weniger als rund 9 % sinkt; bei 4,4 % ist die Grenze also etwa 4,0 %. Außerdem legen wir vorher fest, ab welcher Sicherheit wir entscheiden. Für Preisentscheidungen nehmen wir eine Wahrscheinlichkeit von 95 %, weil ein falscher Preis teuer und schwer rückgängig zu machen ist.

Die Stichprobe

Wie viele Besucher je Variante nötig sind, folgt aus der erwarteten Rate p und der gewünschten Genauigkeit, also der Fehlermarge. Die Formel: n = (1,96 / Fehlermarge)² × p × (1 − p). Bei einer erwarteten Rate von 4,4 % und einer Fehlermarge von ±1 Prozentpunkt ergibt das rund 1.600 Besucher je Variante. Aus der Stichprobe und den Kosten je Besucher folgen Budget und Laufzeit.

Das Ergebnis

  • Bisheriger Preis: Besucher: 1.500 · Entscheidungen: 66 · Rate: 4,4 %
  • Preis +10 %: Besucher: 1.500 · Entscheidungen: 63 · Rate: 4,2 %
Gemessene Raten mit 95-%-Konfidenzintervall: bisheriger Preis 4,4 %, Preis +10 % 4,2 %; der höhere Preis lohnt sich ab 4,0 %
Beispielwerte. Punkte: gemessene Rate. Linien: 95-%-Konfidenzintervall. Gestrichelt: Rate, ab der sich der höhere Preis lohnt.

Schritt 1: Ist der Unterschied signifikant?

Wir vergleichen zwei Anteile, also die Rate der Entscheidungen je Variante. Der passende Test ist der z-Test für zwei Anteile (gleichwertig zum Chi-Quadrat-Test bei zwei Varianten). Der Unterschied von 0,2 Prozentpunkten ist nicht signifikant (p ≈ 0,79). Das 95-%-Konfidenzintervall für den Unterschied reicht von etwa −1,3 bis +1,7 Prozentpunkten.

Wichtig: Nicht signifikant heißt nicht „kein Unterschied“. Es heißt, dass die Daten einen Unterschied in dieser Spanne nicht ausschließen.

Schritt 2: Wie wahrscheinlich ist der höhere Preis besser?

Die Bayes-Auswertung beantwortet die Frage, die das Management eigentlich stellt: Mit welcher Wahrscheinlichkeit bringt der neue Preis mehr ein? Dafür verrechnen wir die Unsicherheit beider Raten mit dem Preisunterschied. Im Beispiel liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis +10 % mehr Umsatz je Besucher bringt, bei rund 61 %.

Schritt 3: Einordnen und entscheiden

61 % liegt deutlich unter der vorab festgelegten Schwelle von 95 %. Das Ergebnis ist gerichtet, nicht bestätigt: Der höhere Preis kostet keine erkennbare Nachfrage, aber ob er unter dem Strich mehr einbringt, zeigt diese Stichprobe noch nicht sicher. Die Grenze von rund 4,0 % liegt innerhalb des Intervalls der neuen Variante.

  • Option A: mehr Stichprobe, um das Intervall zu verengen, wenn viel Umsatz an der Entscheidung hängt.
  • Option B: die Erhöhung mit bekanntem Restrisiko umsetzen, weil kein Nachfrageverlust erkennbar ist.
  • Option C: eine dritte Variante mit kleinerem Preisschritt ergänzen, um die Grenze genauer zu finden.

Typische Fehler

  • Tageswerte vergleichen: Tage sind keine unabhängigen Beobachtungen. Ausgewertet werden Besucher und Entscheidungen, nicht Tagesmittelwerte.
  • Nach Signifikanz stoppen: Wer täglich prüft und beim ersten signifikanten Wert aufhört, findet zu oft Unterschiede, die es nicht gibt.
  • Nur die Kaufabsicht ansehen: Beim Preis zählt, was je Besucher hängen bleibt, mit Ihren Kosten auch der Deckungsbeitrag.
  • Das Ergebnis als Prognose lesen: Der Test misst Entscheidungen in einer realistischen Situation, keine künftigen Marktanteile.

Häufige Fragen

Warum nicht einfach die Variante mit der höheren Rate nehmen?

Weil Raten schwanken. Bei 1.500 Besuchern liegt die Fehlermarge einer Rate von 4,4 % bei etwa ±1 Prozentpunkt. Erst die statistische Auswertung zeigt, ob ein Unterschied größer ist als dieses Rauschen.

Was passiert, wenn das Ergebnis nicht eindeutig ist?

Dann sagen wir das offen und zeigen die Optionen: mehr Stichprobe, eine Entscheidung mit bekanntem Risiko oder ein Folgetest mit anderen Preisen.

Daniel Putsche

Über den Autor

Daniel Putsche

Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.

Verwandte Artikel

what-data-should-you-expect-from-a-fake-door-test,pricing-is-the-key-to-leverage-operating-profits,exploring-price-testing-methodologies-a-comprehensive-guide

Welche Entscheidung wollen Sie absichern?

Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.

Daniel Putsche

Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten

Danke, Ihre Anfrage ist da.

Wir melden uns innerhalb eines Werktags mit Terminvorschlägen.

Schließen

Demo · Video

Ein kompletter Test, vom Design bis zur Datenanalyse

Demo abspielen

Kapitel: Testdesign · Angebotsseiten · Live-Daten · Ergebnis

Gespräch vereinbaren

Erstes Gespräch

Gespräch vereinbaren

30 Minuten, Ihre Entscheidungsfrage, ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.

Mit dem Absenden stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Angaben zur Terminvereinbarung zu. Details in der Datenschutzerklärung.

Termin anfragen
Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.
BEISPIELBERICHTBeispielwerte

Beispielbericht Versicherungen

Datenanalyse · Testdesign · Kennzahlen · Methodik

Beispielbericht

Beispielbericht Versicherungen

Ein vollständiger Ergebnisbericht mit Beispielwerten: Fragestellung, Testdesign, Abschlussabsicht je Variante und die Datenanalyse.

12 Seiten, als PDF zum internen Weitergeben
Kostenlos, Download direkt nach kurzem Formular
Hinweis