



Interviews, Kano, MaxDiff, Conjoint, A/B-Test oder Verhaltenstest: Jede Methode beantwortet eine andere Feature-Frage. Ein Überblick, was jede liefert und wann Sie gemessene Kaufabsicht brauchen.

Kurz gesagt
Welche Ausstattung gehört in die Basisversion, was rechtfertigt die Premium-Variante, was kann weg? Diese Fragen entscheiden über Entwicklungsbudget, Werkzeugkosten und Preisliste. Der schwierigste Teil ist dabei nicht, ob Kunden ein Feature mögen, sondern ob sie dafür mehr bezahlen.
Gespräche mit Kunden zeigen, welche Probleme ein Feature löst und in welchen Worten Kunden darüber sprechen. Daraus entstehen gute Hypothesen und die Sprache für das Angebot. Wie viel ein Feature wert ist, lässt sich daraus nicht ablesen: Die Stichprobe ist klein, und Zahlungsbereitschaft im Gespräch bleibt eine Aussage ohne Folgen.
Das Kano-Modell fragt je Feature, wie Kunden reagieren, wenn es vorhanden ist und wenn es fehlt. So entstehen Kategorien: Basisfeatures, deren Fehlen stört, Leistungsfeatures, die mit ihrer Ausprägung zufriedener machen, und Begeisterungsfeatures, die niemand erwartet. Kano hilft bei der Frage, was in die Basisversion gehört. Einen Preis liefert es nicht.
Bei MaxDiff wählen Befragte aus wechselnden Listen das wichtigste und das unwichtigste Feature. Das ergibt eine saubere Rangfolge, auch bei 20 oder 30 Features. MaxDiff eignet sich, um eine lange Liste schnell zu kürzen. Wie viel Aufpreis ein Feature trägt, zeigt es nicht.
In einer Conjoint-Analyse wählen Befragte zwischen Produktprofilen, die sich in mehreren Eigenschaften unterscheiden, darunter der Preis. Daraus lassen sich Teilnutzen und eine rechnerische Zahlungsbereitschaft je Feature schätzen. Conjoint ist stark, wenn viele Eigenschaften gleichzeitig gewichtet werden sollen, und wahlbasierte Varianten verringern die Verzerrung durch hypothetische Antworten. Die Wahl bleibt trotzdem hypothetisch, und das Ergebnis hängt stark vom Design und von der Auswahl der Eigenschaften ab.
Wer ein digitales Produkt schon betreibt, kann ein neues Feature oder einen Upgrade-Preis im laufenden Produkt testen. Das misst echtes Verhalten, setzt aber voraus, dass Produkt und Kunden schon da sind. Für ein physisches Gerät oder ein Feature, das noch nicht entwickelt ist, scheidet diese Methode aus.
Vergleichbare Gruppen aus Ihrer Zielgruppe sehen dasselbe Angebot in einer realistischen Anzeige und auf einer realistischen Angebotsseite, einmal mit und einmal ohne das Feature, auf Wunsch zu unterschiedlichen Preisen. Gemessen wird die Kauf- oder Abschlussabsicht auf der Angebotsseite. Verkauft wird nichts; wer sich entscheidet, erfährt sofort, dass das Angebot noch nicht verfügbar ist. So lässt sich ein Feature testen, bevor es entwickelt ist.
Beispiel · Saugroboter · gemessene Kaufabsicht je Variante
Ohne Absaugstation
3,1 %
449 €
1,9 %
549 €
−39 % beim höheren Preis
Mit Absaugstation
4,0 %
449 €
3,6 %
549 €
nur −10 % beim höheren Preis
Mit Station kostet der Aufpreis kaum Kaufabsicht, ohne Station fast 40 %. Die Station trägt ihren Aufpreis.
Zwei Regeln machen das Ergebnis belastbar. Erstens: Optionen, die einander beeinflussen, gehören nebeneinander auf eine Vergleichsseite statt in getrennte Varianten. Zweitens: Ein Feature, das man auf einem Foto sieht, etwa eine Farbe oder ein Material, bekommt eine eigene Variante mit eigenem Bild; ein unsichtbares Feature wird auf der Angebotsseite ausgewählt.
| Methode | Beantwortet | Datenbasis |
|---|---|---|
| Interviews | Welches Problem löst das Feature, wie sprechen Kunden darüber? | Gesagt, kleine Stichprobe |
| Kano | Gehört das Feature in die Basisversion? | Gesagt |
| MaxDiff | Welche Features sind am wichtigsten? | Gesagt, als Rangfolge |
| Conjoint | Wie viel ist ein Feature im Verhältnis zu anderen wert? | Gesagt, als Wahl |
| A/B-Test im Produkt | Nutzen bestehende Kunden ein neues Feature oder Upgrade? | Beobachtet, nur bei bestehendem Produkt |
| Feature-Test mit Kaufabsicht | Trägt das Feature seinen Aufpreis, bevor es entwickelt ist? | Beobachtet |
Liebherr THE LAB! hatte vier antibakterielle Funktionen für Kühlschränke in der Vorentwicklung und musste eine auswählen. Der Test zeigte, welche Funktion Verbraucher in den Warenkorb legten, bevor es einen Prototyp gab.
Ein Feature-Test vergleicht wenige konkrete Varianten und zeigt, was Menschen tun, nicht warum. Wie sich ein Feature auf Nutzung und Zufriedenheit nach dem Kauf auswirkt, sehen Sie dort nicht. Befragung und Verhaltensmessung sind deshalb keine Gegensätze: Die eine erklärt, die andere entscheidet.
Kürzen Sie die Liste mit MaxDiff oder Kano auf wenige Kandidaten. Testen Sie diese dann als dasselbe Produkt mit und ohne Feature zu zwei Preisen und messen Sie die Kaufabsicht je Variante.
Ja. Getestet wird das Angebot, nicht das Produkt: Anzeige und Angebotsseite zeigen das Feature, gemessen wird die Kaufabsicht. Ein Prototyp ist nicht nötig.
Nein. Conjoint gewichtet viele Eigenschaften gleichzeitig. Der Feature-Test prüft die Entscheidung zwischen wenigen konkreten Varianten am Verhalten. Oft folgt er auf eine Conjoint-Studie.
Bis zu sechs Varianten. Wie viele sinnvoll sind, hängt von der Zielgruppe ab und davon, ob Sie zusätzlich den Preis variieren.
Über den Autor
Daniel Putsche
Gründer und CEO von Horizon. Arbeitet mit Produkt-, Pricing- und Insights-Teams daran, Entscheidungen auf gemessenes Kaufverhalten zu stützen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign. Ohne Vorbereitung auf Ihrer Seite.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten