



Der Ankereffekt ist die Verzerrung, bei der eine zuvor gesehene Zahl, etwa ein Preis, eine Schätzung oder eine beliebige Ziffer, spätere Urteile und Zahlungsbereitschaften in ihre Richtung zieht, auch wenn sie dafür keine Information enthält.
Preisabfragen verankern Antworten. Beschrieben wurde der Effekt von Tversky und Kahneman, im Konsumkontext wurde er vielfach bestätigt.
Menschen haben für die meisten Produkte keinen festen inneren Preis. Sie urteilen relativ: zum Preis, den sie zuletzt gesehen haben, zur ersten Zahl im Gespräch, zum Vergleichsprodukt daneben. Ariely, Loewenstein und Prelec ließen Teilnehmende zuerst die letzten beiden Ziffern ihrer Sozialversicherungsnummer notieren und dann Gebote für Alltagsprodukte abgeben. Wer eine Nummer über dem Median hatte, bot 57 bis 107 Prozent mehr.
Für Preisentscheidungen ist das zentral. Viele Preisbefragungen zeigen mehrere Preispunkte nacheinander oder fragen nach Preisschwellen. Die erste Zahl wirkt dann als Anker für alle folgenden Antworten. Ein höherer Startpreis kann die gemessene Zahlungsbereitschaft anheben, ein niedriger sie senken. Das Ergebnis beschreibt dann auch die Reihenfolge der Fragen, nicht nur die Zielgruppe.
Ein Telekommunikationsanbieter will den Preis für einen neuen Mobilfunktarif mit Auslandsdaten festlegen. In einer Befragung beginnt eine Gruppe bei 39,99 Euro und fragt abwärts, eine andere beginnt bei 19,99 Euro und fragt aufwärts. Die akzeptierten Preise der ersten Gruppe liegen im Schnitt vier Euro höher.
Im Verhaltenstest sehen Menschen den Tarif auf einer realistischen Angebotsseite mit genau einem Preis: 24,99, 29,99 oder 34,99 Euro, zufällig zugeteilt. Die gemessene Abschlussabsicht je Preisstufe zeigt, wo die Nachfrage abfällt, ohne dass ein vorher gesehener Testpreis als Anker wirkt.
Der Framing-Effekt beschreibt, dass die Formulierung einer gleichen Information die Wahl verändert. Der Ankereffekt beschreibt die Wirkung einer vorher gesehenen Zahl. Ein Referenzpreis, etwa ein durchgestrichener Preis, ist ein bewusst gesetzter Anker und damit Teil der Preisgestaltung. Eine Preisschwelle ist ein Punkt, an dem die Nachfrage deutlich abfällt; sie kann durch Anker verschoben werden.
Im Painted-Door-Test sieht jede Person nur einen Preis. Die Preisstufen verteilen sich auf getrennte Gruppen, sodass kein Testpreis den anderen beeinflusst. Die Anker, die es im Markt ohnehin gibt, bleiben erhalten: Wettbewerbspreise, bekannte Preisniveaus, ein Referenzpreis auf der Seite. Genau diese gehören zur Entscheidung, die später im Markt fällt. Gemessen wird die Kaufabsicht oder Abschlussabsicht je Preisstufe; verkauft wird nichts.
Anker lassen sich nie ganz vermeiden, auch im Verhaltenstest nicht. Wer den Test sieht, hat Erfahrungen mit ähnlichen Produkten und Preisen. Das Ergebnis gilt deshalb für das Marktumfeld zum Testzeitpunkt. Ein Verhaltenstest mit wenigen Preisstufen zeigt außerdem nur die Nachfrage an diesen Punkten, keine vollständige Preis-Absatz-Funktion. Befragungsmethoden wie Van Westendorp bleiben nützlich, um den Suchraum für die Preisstufen einzugrenzen.
Ariely, Loewenstein & Prelec 2003: Teilnehmende mit Sozialversicherungsnummer über dem Median nannten Werte, die 57 bis 107 Prozent höher lagen als bei Teilnehmenden unter dem Median; im obersten Fünftel war die Zahlungsbereitschaft für eine kabellose Tastatur etwa 56 Dollar, im untersten etwa 16 Dollar. Coherent Arbitrariness: Stable Demand Curves Without Stable Preferences, Quarterly Journal of Economics. Quelle
Ja. In Experimenten verschieben selbst erkennbar zufällige Zahlen die Zahlungsbereitschaft. Menschen korrigieren vom Anker aus, aber meist nicht weit genug.
Nein. Sie helfen, einen plausiblen Preisbereich zu finden. Für die Frage, welcher Preis im Angebotsmoment trägt, lohnt eine Messung, bei der jede Person nur einen Preis sieht.
Das hängt von Budget, Zielgruppe und gewünschter Genauigkeit ab. Horizon testet bis zu sechs Varianten in einem Test; bei Preisen reichen oft drei oder vier Stufen.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten