



Gabor-Granger ist ein Befragungsverfahren, bei dem Menschen für ein Produkt nacheinander mehrere Preise sehen und jeweils angeben, ob sie es zu diesem Preis kaufen würden. Daraus entsteht eine erfragte Nachfragekurve.
Das Verfahren geht auf die Ökonomen André Gabor und Clive Granger zurück, die in den 1960er Jahren zur Preiswahrnehmung von Verbrauchern forschten.
Die Befragten sehen ein Produkt mit einem Preis und sagen, ob sie es kaufen würden. Je nach Antwort folgt ein höherer oder niedrigerer Preis, bis eine Grenze erreicht ist. Über alle Befragten ergibt sich für jeden Preispunkt ein Anteil erklärter Kaufbereitschaft, daraus eine Nachfrage- und eine Erlöskurve.
Im Unterschied zu Van Westendorp arbeitet Gabor-Granger mit vorgegebenen Preispunkten und liefert eine Menge je Preis. Das macht das Verfahren für Erlösrechnungen attraktiv.
Gabor-Granger ist konkreter als die Frage nach einem angemessenen Preis. Es kann zeigen, ob die erklärte Kaufbereitschaft zwischen zwei Preisen stark oder kaum abfällt. Für eine erste Erlösabschätzung ist das nützlich.
Die Schwäche liegt im Aufbau: Jede Person sieht mehrere Preise hintereinander. Der erste Preis wirkt als Anker für alle weiteren, und wer merkt, dass der Preis sinkt, wenn er ablehnt, antwortet strategisch. Eine Meta-Analyse findet, dass Designs, in denen dieselbe Person mehrere Bedingungen sieht, die Zahlungsbereitschaft stärker überschätzen als Designs, in denen jede Person nur eine Bedingung sieht (Schmidt & Bijmolt 2020).
Für einen Mobilfunktarif mit 50 GB zeigt eine Gabor-Granger-Befragung bei 19,99 Euro eine erklärte Kaufbereitschaft von 48 Prozent, bei 24,99 Euro von 41 Prozent. Die Erlöskurve legt 24,99 Euro nahe.
Im Verhaltenstest, in dem jede Person nur einen Preis sieht, fällt die gemessene Abschlussabsicht zwischen 19,99 und 24,99 Euro deutlich stärker. Der Unterschied zeigt, wie sehr der Vergleich innerhalb der Befragung die Preisreaktion abgeflacht hat.
Van Westendorp liefert eine akzeptierte Preisspanne ohne Menge. Gabor-Granger liefert eine erfragte Menge je Preis. Die Conjoint-Analyse lässt Preis und andere Merkmale gleichzeitig variieren.
Ein Verhaltenstest ähnelt Gabor-Granger in der Logik, Nachfrage je Preis, trennt die Preise aber zwischen Personen: Jede Person sieht nur einen Preis, und statt einer erklärten Kaufbereitschaft wird die gemessene Kaufabsicht auf einer realistischen Angebotsseite erfasst.
Die Nachfragekurve bleibt erfragt. Gabor, Granger und Sowter haben 1970 selbst hypothetische Kaufsituationen mit beobachtetem Kaufverhalten in Geschäften verglichen und daraus Grenzen der Anwendbarkeit abgeleitet. Das Verfahren zeigt keine Alternativen und kein Umfeld, in dem die Entscheidung sonst fällt.
Auch der Verhaltenstest misst nur die getesteten Preispunkte und bildet keine Regalentscheidung neben Wettbewerbern ab.
Gabor, Granger & Sowter 1970: Die Entwickler des Gabor-Granger-Ansatzes haben die hypothetische Kaufsituation selbst mit beobachtetem Kaufverhalten in Geschäften verglichen und daraus Grenzen der Anwendbarkeit abgeleitet. Real and Hypothetical Shop Situations in Market Research, Journal of Marketing Research 7(3). Quelle
Schmidt & Bijmolt 2020: 77 Studien, 115 Effektgrößen: Hypothetische Zahlungsbereitschaft liegt im Mittel 21 % über der realen. Indirekte Verfahren überschätzen stärker als direkte, Within-Subject-Designs stärker als Between-Subject-Designs, höherwertige Produkte stärker als günstige. Accurately measuring willingness to pay for consumer goods: a meta-analysis of the hypothetical bias, Journal of the Academy of Marketing Science 48(3). Quelle
Weil der erste Preis zum Anker wird und Befragte schnell erkennen, dass eine Ablehnung zu einem niedrigeren Preis führt. Beides verändert die Antworten auf die folgenden Preise.
Ja, als monadisches Design. Das reduziert den Ankereffekt, bleibt aber eine Befragung mit erklärter statt gemessener Kaufabsicht.
Für eine schnelle erste Erlösabschätzung bei bekannten Kategorien. Für die finale Preisentscheidung sollten die zur Wahl stehenden Preise am Verhalten geprüft werden.
Bringen Sie die Preispunkte mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign am Verhalten.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten