



Revealed Preference ist die Präferenz, die aus beobachtetem Verhalten abgeleitet wird: Wer unter gegebenen Preisen und Alternativen eine Option wählt, zeigt damit, dass er sie den anderen verfügbaren Optionen vorzieht.
Das Konzept geht auf den Ökonomen Paul Samuelson zurück, der es 1938 einführte, um Konsumverhalten ohne Annahmen über inneren Nutzen zu beschreiben. Heute ist es der Gegenbegriff zur Stated Preference, der erfragten Präferenz.
Die Idee ist einfach: Was Menschen wählen, sagt mehr über ihre Präferenz als das, was sie über ihre Wahl sagen. Samuelson formulierte das für Käufe bei gegebenem Einkommen und gegebenen Preisen. Für Unternehmen folgt daraus, dass die belastbarste Antwort auf die Frage "Welche Variante wollen Kunden?" eine beobachtete Wahl ist.
Klassisch stammen solche Daten aus dem Markt: Absatz, Scannerdaten, Tarifwechsel, Kündigungen. Für bestehende Angebote sind sie sehr aussagekräftig. Für Entscheidungen, die noch ausstehen, fehlen sie: Ein neuer Tarif, ein neuer Preis oder ein neues Produkt hat noch keine Marktdaten. Wer bis zum Launch wartet, erhält Revealed-Preference-Daten erst, nachdem investiert wurde.
Verhaltenstests holen diese Beobachtung vor die Investition. Horizon misst in Painted-Door-Tests, wie reale Menschen auf realistische Angebote mit Preis reagieren, die sie über Google- und Meta-Anzeigen in ihrem gewohnten Online-Umfeld sehen. Verkauft wird nichts, doch die Wahl zwischen Varianten ist beobachtet und nicht erfragt.
Eine Bank überlegt, ein Girokonto mit einem von zwei Modellen anzubieten: feste monatliche Gebühr ohne Bedingungen oder kostenlos ab einem monatlichen Mindesteingang. In einer Befragung bevorzugt eine knappe Mehrheit das kostenlose Modell. Im Verhaltenstest sieht jede Person nur eine Angebotsseite. Die Variante mit fester Gebühr erreicht die höhere gemessene Abschlussabsicht, weil die Bedingung viele abschreckt. Die offenbarte Präferenz weicht hier von der geäußerten ab, und für die Entscheidung zählt, welches Modell im Angebotsmoment gewählt wird.
Stated Preference ist die geäußerte Präferenz aus Befragungen, Conjoint-Analysen oder Wahlexperimenten. Sie kann viele Merkmale gleichzeitig untersuchen und das Warum erklären, bleibt aber eine Angabe ohne Konsequenz.
Kaufabsicht kann beides sein: auf einer Skala erfragt (Stated) oder im Verhalten gemessen (Revealed). Der Say-Do-Gap beschreibt den Abstand zwischen beiden. Ein A/B-Test erzeugt ebenfalls Revealed-Preference-Daten, allerdings im Live-System an einem bestehenden Angebot.
Offenbarte Präferenz zeigt, was gewählt wurde, nicht warum. Ob ein Angebot wegen des Preises, der Formulierung oder des Bildes gewählt wurde, lässt sich nur durch ein sauberes Testdesign trennen, in dem sich die Varianten in genau einem Punkt unterscheiden, oder durch eine ergänzende Befragung.
Beobachtetes Verhalten hängt außerdem von der Situation ab. Ist das Angebot unrealistisch oder die Seite unklar, bildet das Verhalten diese Mängel ab. Und ein Verhaltenstest beschreibt die Menschen, die über die gewählten Kanäle erreicht werden. Die gemessene Wahl gilt für diese Situation und diese Zielgruppe, nicht automatisch für alle Kanäle.
Samuelson 1938: Begründet die Theorie der offenbarten Präferenz: Präferenzen werden aus beobachteten Käufen bei gegebenen Preisen und Einkommen abgeleitet, nicht aus Nutzenangaben. A Note on the Pure Theory of Consumer's Behaviour, Economica (Einordnung über Britannica). Quelle
Schmidt & Bijmolt 2020: 77 Studien, 115 Effektgrößen: Hypothetische Zahlungsbereitschaft liegt im Schnitt 21 % über der realen; stärker bei höherwertigen Produkten, Spezialprodukten und Within-Subject-Designs, bei indirekten Verfahren höher als bei direkten Fragen. Accurately measuring willingness to pay for consumer goods: a meta-analysis of the hypothetical bias, Journal of the Academy of Marketing Science. Quelle
Revealed Preference wird aus beobachtetem Verhalten abgeleitet, Stated Preference aus Angaben in Befragungen. Die erste zeigt die Wahl, die zweite erklärt Motive und kann viele Merkmale abdecken.
Mit einem Verhaltenstest vor dem Markt: Menschen sehen ein realistisches Angebot und entscheiden, ob sie es wählen. Verkauft wird dabei nichts.
Für die Frage, welche Variante gewählt wird, sind sie meist belastbarer. Für das Warum und für viele Merkmale gleichzeitig sind Befragungen oft das bessere Werkzeug.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten