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Pretotyping

Pretotyping

Pretotyping ist ein Vorgehen, bei dem die Nachfrage nach einem Angebot geprüft wird, bevor es gebaut wird: Man zeigt realen Menschen eine realistische Version des Angebots und misst, ob sie sich dafür entscheiden.

Aktualisiert
September 28, 2026
· Horizon

Der Begriff verbindet 'pretend' und 'prototype'. Während ein Prototyp beantwortet, ob sich etwas bauen lässt, beantwortet ein Pretotyp, ob es sich lohnt, es zu bauen.

Warum das für Ihre Entscheidung wichtig ist

Die teuersten Fehler in Produkt, Preis und Marketing entstehen selten beim Bauen, sondern bei der Frage davor: ob überhaupt genug Menschen das Angebot wollen, und zu welchem Preis. Wer diese Frage erst nach Entwicklung, Produktion oder Tarifkalkulation beantwortet, bezahlt die Antwort mit dem gesamten Budget.

Pretotyping verschiebt die Antwort nach vorne. Statt Menschen zu fragen, ob sie ein Produkt kaufen würden, beobachtet man, ob sie es wählen, wenn es ihnen realistisch angeboten wird. Das ist wichtig, weil angegebene Absichten und tatsächliches Verhalten systematisch auseinanderliegen: Auch eine große Änderung der Absicht bewegt das Verhalten nur deutlich schwächer.

Pretotyping ist nicht auf Innovation beschränkt. Es eignet sich ebenso für Preisstufen, Tarifvarianten, Claims, Markennamen oder die Frage, welches Angebotsmodell (Kauf, Abo, Miete) besser ankommt.

Wie Horizon das umsetzt

Horizon setzt Pretotyping als Painted-Door-Test um: realistische Angebotsseiten, ausgespielt über Google- und Meta-Anzeigen an reale Verbraucher in ihrem gewohnten Online-Umfeld, ohne Panel und ohne Incentive. Bis zu sechs Varianten laufen parallel, von der Frage bis zur Datenauswertung vergehen rund vier Wochen.

Verkauft wird dabei nichts: kein Vertrag, keine Zahlung. Wer sich für das Angebot entscheidet, erfährt direkt im Anschluss transparent, dass es sich um einen Test handelt. Gemessen wird die Kaufabsicht oder Abschlussabsicht, ausgedrückt als Klick auf das Angebot.

Beispiel

Ein Hausgerätehersteller überlegt, eine Akku-Küchenmaschine in drei Preisstufen einzuführen: 249, 299 und 349 Euro. Statt einer Befragung laufen drei identische Angebotsseiten, die sich nur im Preis unterscheiden. Nach vier Wochen zeigt sich eine gemessene Kaufabsicht von 3,4 %, 3,1 % und 1,9 %.

Die Datenanalyse zeigt: Zwischen 249 und 299 Euro ist der Unterschied klein und statistisch nicht abgesichert, der Sprung auf 349 Euro kostet deutlich Nachfrage. Die Preisentscheidung fällt das Team, nun aber auf Basis von Verhalten statt Absichtserklärungen.

Abgrenzung

Pretotyping ist der Oberbegriff für Verfahren, die Nachfrage vor dem Bau testen. Painted-Door-Test, Smoke Test, Fake-Door-Test und, vor allem in den USA, Proto-Selling meinen im Kern dasselbe Vorgehen; die Unterschiede sind Nuancen im Einsatz. Horizon verwendet die Begriffe Pretotyping und Painted-Door-Test.

Ein Minimum Viable Product (MVP) ist bereits ein funktionierendes, wenn auch reduziertes Produkt. Pretotyping kommt davor und kostet einen Bruchteil davon. Befragungen, Konzepttests und Conjoint-Analysen messen angegebene Präferenzen; Pretotyping misst beobachtetes Verhalten und ergänzt diese Methoden, statt sie zu ersetzen.

Grenzen

Pretotyping misst eine eigenständige Online-Entscheidung von Konsumenten. Es passt nicht, wenn die Entscheidung woanders fällt: im B2B-Einkaufsgremium, am Regal im direkten Preisvergleich oder auf Vergleichsportalen. Auch sehr günstige Artikel, die niemand einzeln kauft, und Fragen nach Markenwahrnehmung, Vertrauen oder Loyalität beantwortet es nicht.

Ein Pretotyp zeigt, ob Menschen ein Angebot wählen. Warum sie es tun, erklärt qualitative Forschung besser. Und er misst die erste Entscheidung, nicht Wiederkauf, Nutzung oder Zufriedenheit.

Belege

Savoia 2009 (Begriff), Savoia 2019 (Buch): Alberto Savoia prägte den Begriff 2009 bei Google, zunächst als 'Pretendotype': die beabsichtigte Funktion wird vorgetäuscht oder vorgestellt, bevor gebaut wird. Pretotyping.org, Story; The Right It: Why So Many Ideas Fail and How to Make Sure Yours Succeed, HarperOne. Quelle

Webb & Sheeran 2006: 47 Experimente: Eine mittlere bis große Änderung der Absicht (d = 0,66) führt nur zu einer kleinen bis mittleren Änderung des Verhaltens (d = 0,36). Does changing behavioral intentions engender behavior change? A meta-analysis of the experimental evidence, Psychological Bulletin. Quelle

Schmidt & Bijmolt 2020: Meta-Analyse über 77 Studien und 115 Effektgrößen: Hypothetisch angegebene Zahlungsbereitschaft liegt im Schnitt 21 % über der real gemessenen. Accurately measuring willingness to pay for consumer goods: a meta-analysis of the hypothetical bias, Journal of the Academy of Marketing Science. Quelle

Häufige Fragen

Ist Pretotyping dasselbe wie ein Painted-Door-Test, Smoke Test oder Fake-Door-Test?

Im Kern ja. Pretotyping ist der Oberbegriff, die anderen Namen beschreiben dasselbe Vorgehen mit kleinen Nuancen. Horizon setzt Pretotyping als Painted-Door-Test um.

Wird den Menschen im Test etwas verkauft?

Nein. Es gibt weder Vertrag noch Zahlung. Nach der Entscheidung erfahren die Besucher transparent, dass es sich um einen Test handelt.

Eignet sich Pretotyping nur für neue Produkte?

Nein. Es beantwortet auch Preis-, Tarif-, Claim- und Markenfragen bei bestehenden Angeboten, solange die Entscheidung online von Konsumenten getroffen wird.

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