



Ein Pre-Order-Test ist ein Nachfragetest, bei dem Interessenten ein angekündigtes Produkt vor seiner Verfügbarkeit verbindlich vorbestellen oder anzahlen, sodass die Zahl der Vorbestellungen als Maß für Nachfrage dient.
Vorbestellungen und Crowdfunding sind die bekanntesten Formen. Sie liefern ein sehr starkes Signal, weil Geld fließt, verpflichten aber auch zur Lieferung.
Eine Anzahlung ist das härteste Nachfragesignal vor dem Launch. Wer zahlt, meint es ernst. Für Start-ups und kleine Serien kann ein Pre-Order-Test zugleich Finanzierung und Marktbeweis sein.
Für große Konsumunternehmen hat das Signal seinen Preis: Wer Geld annimmt, verspricht ein Produkt, einen Preis und einen Liefertermin. Ein Rückzieher nach dem Test kostet Vertrauen, eine späte Lieferung ebenso. Und die Entscheidung über Varianten, Preise oder Positionierung ist zum Zeitpunkt der Vorbestellung meist schon gefallen.
Hinzu kommt die Frage der Sichtbarkeit: Eine Vorbestellkampagne ist eine öffentliche Ankündigung. Wettbewerber, Handelspartner und Presse sehen sie, und ein späteres Zurückziehen wird ebenso wahrgenommen.
Im Pre-Order-Test entsteht ein Kaufvertrag oder eine Zahlung. Im Painted-Door-Test, wie Horizon ihn umsetzt, fließt kein Geld und es entsteht kein Vertrag: Reale Verbraucher sehen über Google- und Meta-Anzeigen ein realistisches Angebot, und wer es wählt, erfährt direkt, dass es sich um einen Test handelt. Gemessen wird die Kaufabsicht als letzter verbindlicher Klick vor der Auflösung.
Der Vorteil liegt in der Freiheit: bis zu sechs Varianten, verschiedene Preise und Konzepte, ohne Lieferpflicht und bevor sich das Unternehmen öffentlich festlegt. Der Nachteil: Ein Klick ist keine Zahlung. Das Signal ist näher am Verhalten als jede Befragung, aber schwächer als eine Anzahlung.
Ein Hersteller überlegt einen modularen Gartengrill in zwei Preislagen. Eine Vorbestellkampagne müsste Preis und Liefertermin festlegen, bevor klar ist, welche Variante trägt.
Stattdessen laufen beide Varianten, 499 und 649 Euro, in einem Painted-Door-Test. Gemessene Kaufabsicht: 1,8 % und 1,5 %. Das Team legt sich auf die höhere Preislage fest und startet erst danach die Vorbestellung, nun mit Evidenz.
Ein Pre-Order-Test passt, wenn Produkt, Preis und Liefertermin bereits feststehen, die Lieferung gesichert ist und das Unternehmen die Nachfrage mit Zahlung bestätigen oder die erste Charge vorfinanzieren will. Solange noch zwischen Varianten, Preislagen oder Positionierungen entschieden wird, ist ein Test ohne Zahlung meist der bessere erste Schritt.
Pre-Order-Test, Crowdfunding und Soft Launch beinhalten einen Verkauf. Painted-Door-Test, Smoke Test und Fake-Door-Test messen Verhalten ohne Verkauf. Ein Minimum Viable Product ist ein funktionierendes, reduziertes Produkt; ein Pre-Order-Test kann auch ohne existierendes Produkt laufen, verspricht es aber.
Pre-Order-Tests erreichen vor allem frühe, begeisterte Käufer und überzeichnen damit die Breite des Markts. Lieferverzögerungen sind häufig: In einer großen Auswertung von Crowdfunding-Kampagnen lieferte die große Mehrheit, aber über drei Viertel später als angekündigt. Wer keine Lieferung sicherstellen kann, sollte keine Zahlung annehmen. Der Painted-Door-Test vermeidet diese Pflicht, misst dafür Absicht statt Zahlung und die erste Entscheidung statt Wiederkauf.
Mollick 2014: Auswertung von über 48.500 Crowdfunding-Kampagnen: Die große Mehrheit liefert, aber über 75 % liefern später als angekündigt. The dynamics of crowdfunding: An exploratory study, Journal of Business Venturing. Quelle
Das Signal ist stärker, weil Geld fließt. Dafür lassen sich weniger Varianten prüfen, und das Unternehmen legt sich auf Preis und Lieferung fest.
Ja. Der Painted-Door-Test klärt Variante und Preis, die Vorbestellung bestätigt danach die Nachfrage mit Zahlung.
Nein. Es gibt keinen Vertrag und keine Zahlung. Die Besucher erfahren direkt nach dem Klick, dass es sich um einen Test handelt.
Bringen Sie Ihre Entscheidungsfrage mit, wir skizzieren ein mögliches Testdesign.
Sie sprechen mit Daniel Putsche
Gründer & CEO, 30 Minuten