



KI in der Marktforschung bezeichnet den Einsatz von Verfahren wie Sprachmodellen und maschinellem Lernen entlang des Forschungsprozesses, vom Studiendesign über Erhebung und Auswertung bis zur Simulation von Befragten.
KI verändert die Marktforschung an vielen Stellen gleichzeitig. Die meisten Anwendungen machen bestehende Arbeitsschritte schneller; einige verändern, woher die Daten kommen.
Viele KI-Anwendungen beschleunigen Arbeit, die vorher manuell war: Fragebögen und Leitfäden entwerfen, Interviews moderieren und transkribieren, offene Antworten codieren, Ergebnisse zusammenfassen. Die Forschung zeigt, dass die Kombination aus Forschenden und Sprachmodellen Effizienz und Qualität steigern kann (Arora, Chakraborty & Nishimura 2025). Hier bleibt die Datenquelle der reale Mensch, die KI arbeitet mit seinen Antworten.
Eine zweite Gruppe von Anwendungen ersetzt die Datenquelle: synthetische Befragte, KI-Personas, digitale Zwillinge. Hier wird die Antwort selbst erzeugt. Für die Bewertung einer Studie ist diese Unterscheidung zentral. Ein Sprachmodell gibt wieder, was Menschen gesagt und geschrieben haben. Offen bleibt die Frage, ob Menschen ein neues Angebot wählen. Die beantwortet ihr Verhalten.
Beschleunigt werden vor allem Exploration, Vorbereitung und Auswertung. Offen bleibt die Validierung neuer Angebote. Auch Studien, die synthetischen Befragten eine hohe Übereinstimmung bescheinigen, messen sie an Befragungen, nicht an Verhalten. Hinzu kommt ein Nebeneffekt: KI-Agenten können Online-Befragungen selbst ausfüllen und bestehen dabei 99,8 % der Aufmerksamkeitstests (Westwood 2025). Wenn eine schlüssige Antwort nicht mehr sicher von einem Menschen stammt, gewinnt beobachtetes Verhalten an Gewicht.
Ein Konsumgüterhersteller plant eine neue Produktlinie. KI erstellt aus Social-Media-Daten eine Übersicht der Bedürfnisse, formuliert 30 Konzeptideen und lässt sie von synthetischen Befragten vorbewerten. Eine Befragung realer Menschen verdichtet auf fünf Konzepte und liefert Motive. Drei davon gehen als realistische Angebote mit Preis in einen Verhaltenstest. Innerhalb weniger Wochen liegt eine gemessene Kaufabsicht je Variante vor, auf deren Basis das Management über die Investition entscheidet.
Synthetische Forschung ist der Teil von KI in der Marktforschung, der Antworten erzeugt statt erhebt. Hybride Forschung beschreibt Abläufe, in denen Synthetik, Befragung und Verhalten jeweils eine klare Rolle haben. In einem Test von Horizon stammt das Signal von realen Menschen, die ein realistisches Angebot sehen; verkauft wird nichts.
Wie gut KI-Anwendungen arbeiten, hängt stark von Aufgabe, Kategorie und Sprache ab, und das Feld ändert sich schnell. Aussagen über einzelne Verfahren veralten entsprechend. Automatisierte Auswertung braucht weiterhin menschliche Prüfung, Zahlen sollten aus nachvollziehbaren Rechnungen stammen. Der Verhaltenstest ist dagegen langsamer als eine Simulation und auf wenige Varianten begrenzt; er gehört an das Ende des Trichters, nicht an den Anfang.
Arora, Chakraborty & Nishimura 2025: Die Kombination aus Forschenden und Sprachmodellen steigert Effizienz und Qualität, etwa bei Leitfäden, Interviews, Themenbildung und Zusammenfassung. Die Autoren beschreiben Sprachmodelle als Mitarbeiter im Forschungsprozess. AI-Human Hybrids for Marketing Research, Journal of Marketing. Quelle
Westwood 2025: Ein autonomer KI-Agent besteht 99,8 % der Aufmerksamkeitstests; 10 bis 52 gefälschte Antworten reichen, um das Ergebnis einer Umfrage mit 1.600 Befragten zu drehen. The potential existential threat of large language models to online survey research, PNAS. Quelle
Maier et al. 2025: Über 57 Produktbefragungen mit 9.300 menschlichen Antworten erreichen synthetische Kaufabsichten 90 % der Test-Retest-Reliabilität der Menschen. Maßstab ist die erfragte Kaufabsicht auf einer Likert-Skala, nicht beobachtetes Verhalten. LLMs Reproduce Human Purchase Intent via Semantic Similarity Elicitation of Likert Ratings, arXiv 2510.08338. Quelle
Bei Vorbereitung, Exploration und Auswertung: Leitfäden, Codierung offener Antworten, Zusammenfassungen und Vorauswahl aus vielen Ideen.
Für manche explorativen Fragen teilweise. Für Entscheidungen über neue Angebote liefern Daten realer Menschen die Evidenz, für die Wahl selbst deren Verhalten.
KI-Agenten können Befragungen ausfüllen und Aufmerksamkeitstests bestehen. Damit wird es schwerer, sicherzustellen, dass eine Antwort von einem Menschen stammt.
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